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Liebe Leserinnen und Leser,
die Wahlergebnisse der vergangenen Wochen kann man nicht einfach zur Kenntnis nehmen und zur Tagesordnung übergehen. Vor allem eines beschäftigt mich: Offenbar erreicht die Politik viele Menschen nicht mehr so, wie das über viele Jahrzehnte der Fall war. Und gleichzeitig gehen Menschen zur Wahl, die vorher nicht gewählt haben. Das ist erst einmal gut. Demokratie braucht Beteiligung. Aber es lohnt sich hinzusehen, was Menschen dazu bringt, ihre Stimme Parteien an den politischen Rändern zu geben. Wurde diesen Menschen zu wenig zugehört? Wurden ihre Rufe nach der Lösung ihrer Probleme nicht Ernst genug genommen?
Wenn jemand trotz Arbeit das Gefühl hat, finanziell kaum noch voranzukommen, wenn die Sorge wächst, ob die Rente später reichen wird, oder wenn über Jahre der Eindruck entsteht, dass bekannte Probleme zwar beschrieben, aber nicht gelöst werden, dann hilft es wenig, den Menschen zu erklären, sie müssten die Dinge nur anders sehen.
Zuhören heißt allerdings nicht, jede Antwort auf solche Sorgen für richtig zu halten, sondern man darf und muss dabei auch Haltung zeigen. Dabei sind Zuhören und Haltung keine Gegensätze. Im Gegenteil: Wer sein Gegenüber ernst nimmt, darf auch deutlich sagen, wo er widerspricht. „Remigration“ löst weder das Rentenproblem noch schafft es höhere Einkommen. Und wer den Eindruck hat, nicht gehört zu werden, gewinnt seine Stimme nicht dadurch zurück, dass andere zum Schweigen gebracht, Medien pauschal als „Lügenpresse“ abgetan oder demokratische Strukturen verächtlich gemacht werden.
Auch uns hier treibt dieses Thema um. Und deswegen findet morgen im Verdo in Hitzacker unser schon vor einiger Zeit hier angekündigte Fachtag „Kirche in Zeiten von Rechtsextremismus und politischer Polarisierung“ statt, gemeinsam veranstaltet von den Kirchenkreisen Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg unter der Schirmherrschaft des Sprengels Lüneburg.
Die Frage liegt nahe: Warum Rechtsextremismus? Warum nicht genauso Linksextremismus oder Islamismus?
Natürlich kann eine Veranstaltung nicht immer alle Facetten eines Themas abbilden. Weil es aber eine Veranstaltung für die Menschen in der Region ist, zählt am Ende das, was uns hier konkret begegnet: Völkische Siedlungsbewegungen gehören zur Realität unserer Region. Nur wenige Kilometer entfernt, in unserem Nachbarbundesland, gewinnen politische Positionen erheblich an Zustimmung, die auch das Verhältnis von Staat und Kirche grundsätzlich verändern wollen. Und auch auf kommunaler Ebene hier vor ort begegnen uns Menschen und Positionen mit rechtsextremem Hintergrund.
Darüber zu sprechen ist kein „Bashing“. Entscheidend ist nicht das Parteikürzel, sondern das, was jemand sagt und politisch erreichen will. Darüber muss gestritten werden können.
Kirche ist dabei keine Partei und sollte auch nicht so auftreten. Sie sagt Menschen nicht, was sie wählen sollen. Das bedeutet aber nicht, dass sie gegenüber allen politischen Positionen neutral sein muss. Sie hat eine Haltung, die sich aus unserem Glauben heraus ergibt: Wo Menschen nach Herkunft, Religion oder Hautfarbe unterschiedlich viel wert sein sollen, wo ihre Würde infrage gestellt oder demokratische Grundregeln angegriffen werden, berührt das Überzeugungen, für die Kirche aus ihrem eigenen Selbstverständnis heraus einsteht. Dazu kann und muss sie etwas sagen, unabhängig davon, welche Partei solche Positionen vertritt.
Haltung zu zeigen bedeutet für aber nicht, Menschen abzustempeln oder Gespräche abzubrechen. Es bedeutet, deutlich zu machen, was für uns nicht zur Disposition steht: die Würde jedes Menschen und die Grundlagen unseres demokratischen Zusammenlebens.
Vielleicht ist das die schwierigere Aufgabe unserer Zeit: wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, ohne deshalb so zu tun, als sei jede Position gleichermaßen akzeptabel. In dem Zusammenhang ist sicher auch die unten angekündigte Veranstaltung "Das sehe ich aber anders!" von Interesse.
Auch Jesus hat schließlich nicht nur freundlich genickt. Er hat Menschen zugehört, mit sehr unterschiedlichen Menschen gesprochen und sich auf Begegnungen eingelassen. Und er konnte ziemlich deutlich werden, wenn Menschen herabgesetzt wurden oder Macht wichtiger wurde als der Mensch.
Zuhören und Haltung zeigen schließen sich nicht aus. Vielleicht bedingt das eine sogar das andere. Und wenn Sie Lust und Zeit haben, diese Fragen weiter zu diskutieren, sich mit anderen Menschen zu vernetzen und auszutauschen, dann kommen Sie doch gerne - auch spontan - morgen nach Hitzacker. Alle Infos und den Link zur Anmeldung finden Sie auf der Webseite des Fachtags. Ich freue mich, Sie dort zu sehen!
Herzliche Grüße
Ihr Frederik Holst
P.S.: Weiterhin gilt natürlich: Wenn Sie selber Informationen oder Termine haben, die kirchenkreisweit relevant sind und die im Newsletter erscheinen sollen, schicken Sie mir diese gerne gerne per E-Mail an die Absenderadresse dieses Newsletters. Die Länge sollte dabei auf 100 Worte beschränkt sein, kann aber gerne einen Link auf eine Seite mit weiterführenden Informationen enthalten. Einsendeschluss ist jeweils der 15. eines Monats. Wenn Sie andere Menschen kennen, die auch gerne diese Informationen bekommen möchten, dann schicken Sie ihnen gerne diesen Link, um sich einzutragen.
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